4. Kongress für Neuropalliativ Medizin — 01.10. - 02.10.2021

Europäische Kopfschmerz- & Migränetag

Migräne ist eine ernstzunehmende Erkrankung

Der 12. September ist der Europäische Kopfschmerz- und Migränetag. Aus der Patientinnen- und Patientensicht ist beim Kopfschmerz die Migräne das weltweit größte Problem. In Österreich leiden über 13 Prozent der Bevölkerung beziehungsweise eine Million Menschen an dieser Form des Kopfschmerzes.

„Am häufigsten tritt die Migräne in der Altersgruppe von 20 bis 50 Jahren, also im volkswirtschaftlich interessantesten Alter, auf. Etwa 25 Prozent der Frauen und 8 bis 10 Prozent der Männer leiden an Migräne. Diese ist keine singuläre Erkrankung, sondern belgeitet die Menschen chronisch über viele Jahre. Dies beeinträchtigt das Leben in der Familie und in der Arbeit deutlich“, so die Präsidentin der Österreichischen Kopfschmerzgesellschaft, Assoc. Prof. Priv.-Doz. Dr. Karin Zebenholzer.

„Migräne ist eine Erkrankung mit einem ganz klaren neurobiologischen Hintergrund und wir wissen mittlerweile sehr genau, was dabei im Gehirn passiert. Im Gegensatz zum Beispiel bei einem Knochenbruch ist für Außenstehende die Erkrankung oftmals nicht sichtbar. Das Gehirn funktioniert innerhalb der Attacke anders und die Patientinnen und Patienten bilden sich diese nicht ein“, so der Past Präsident der Österreichischen Kopfschmerzgesellschaft, Assoc. Prof. Priv.-Doz. Dr. Gregor Brössner.

Mittlerweile kann die Wissenschaft verstehen, wie Migräneattacken funktionieren. Mit neuen Therapiemöglichkeiten können die Schmerzen viel besser behandelt werden, als es früher möglich war. Warum mehr Frauen an der Migräne erkranken, ist zu einem wesentlichen Teil hormonell bedingt. In der Pubertät steigt die Migränefrequenz an und sinkt ab der Menopause wieder ab.

Früher hat man die Migräne als reine Kopfschmerzerkrankung verstanden. Dabei wurde vor allem die Phase des Kopfschmerzes herangezogen.
„Heute weiß man, dass die Migräne weit vor dem Kopfschmerz beginnt. Das Gehirn arbeitet schon vor dem Kopfschmerz anders. Dies kann sich in Heißhunger-Phasen, Unwohlsein, Gereiztheit oder Konzentrationsstörungen äußern. Oftmals wissen die Patienten schon einen Tag vorher, dass sie mit einer Migräne am nächsten Morgen aufstehen werden“, so der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, Univ.-Prof. Dr. Thomas Berger.

In dieser Phase gilt es besonders verschiedene Trigger wie Alkohol oder Stress zu vermeiden. Wenn schon halbseitiger Kopfschmerz, Übelkeit oder Erbrechen vorhanden sind, muss man rasch Medikamente gegen die Schmerzen einnehmen. Dies können normale Schmerzmittel oder aber auch migränespezifische Medikamente sein.

Zur Vorbeugung (Prophylaxe) gibt es oral einzunehmende Therapien aber auch seit 3 Jahren spezifisch gegen Migräne wirkende monoklonale Antikörper, die unter die Haut injiziert werden. Hierzu zeigt sich eine sehr gute klinische Erfahrung mit sehr guter Wirksamkeit und exzellenter Verträglichkeit. Darüber hinaus können die Erkrankten auch mit Ausdauersport, Entspannungsübungen, Biofeedbacktraining aktiv gegen Migräneattacken vorbeugen.

„Nächstes Jahr rechnen wir mit einer Zulassung von neuen Medikamenten gegen Migräneattacken durch die EMA, beziehungsweise in Amerika sind diese schon zugelassen. In Studien können wir sehen, dass diese Medikamente sehr gut wirken und den Patientinnen und Patienten die Lebensqualität erhöhen“, so Assoc. Prof. Priv.-Doz. Dr. Karin Zebenholzer, Assoc. Prof. Priv.-Doz. Dr. Gregor Brössner und Univ.-Prof. Dr. Thomas Berger abschließend.