ÖGN Facharztausbildungsseminar Sommersemester — 09.05. - 11.05.2019

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Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie – Tag 3

Heute startet Tag drei und somit der letzte Tag der ÖGN Jahrestagung. Alle Eindrücke des letzten Tages finden Sie hier:



Live von der ÖGN-Jahrestagung:

Statement von N. Mitrovic (Vöcklabruck) zum Thema: Rückenschmerz

Statement von S. Leis (Salzburg) zum Thema: Ist Schmerz nicht gleich Schmerz?

Statement von S. Fuchs (Graz) zum Thema: 25 Jahre Immunmodulation – welche Ziele haben wir erreicht?


Statement von B. Kornek (Wien) zum Thema: Weiterentwicklung der Therapieziele bei MS: Eine Standortbestimmung


Statement von T. Berger (Wien) zum Thema: Personalisierte Therapie – Realität oder Utopie?


Statement von C. Enzinger (Graz) zum Thema: Neue Trends in der Bildgebung der MS

Schlussworte zur ÖGN Jahrestagung 2019 von Eugen Trinka und Michael Ackerl
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Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie – Tag 2

Der 2. Tag ging mit einem großartigen „Abend der Gesellschaft“ zu Ende – ein kleiner Ausschnitt:




Eindrücke der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie am zweiten Tag


Live von der ÖGN-Jahrestagung:

Statement von J. Bergler (Wien) zum Thema: Gender Gap in Science


Statement von D. Staykov (Eisenstadt) zum Thema: Wie weit öffnet sich das Zeitfenster noch? Möglichkeiten und Grenzen der mismatch-basierten Thrombektomie


Statement von E. Mylonaki (Salzburg) zum Thema: Neurological complications associated to influenza in season 2017-2018 – a retrospective single center study


Statement von P. Lackner (Wien) zum Thema: Die Validität des Manchester-Triage-Systems in der neurologischen Notaufnahme


Statement von W. Poewe (Innsbruck) zum Thema: Treten wir auf der Stelle? Neue Aspekte der medikamentösen Parkinsontherapie


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Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie – Tag 1

Erste Eindrücke der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie


Live von der ÖGN-Jahrestagung:

Statement von R. Schmidt (Graz) zum Thema: Werden Biomarker zum Routinediagnostikum?


Statement von E. Stögmann (Wien) zum Thema: Genetik der Alzheimer-Diagnostik – Weg zur personalisierten Medizin?


Statement von C. Baumgartner (Wien) zum Thema: Neue Entwicklungen in Anfallsdetektion und Anfallsdokumentation


Statement von T. von Oertzen (Linz) zum Thema: Neue Entwicklungen in der Epilepsiechirurgie und der präoperativen Diagnostik


Statement von E. Trinka (Salzburg) zum Thema: Neurostimulation – eine weitere Säule der Epilepsietherapie?

Statement von W. Grisold (Wien) zum Thema: Geschichte der Neurologie

Statement von W. Maderthaner (Wien) zum Thema: Projekt Neurologie 1938-1945

Statement von S. Horn (Wien) zum Thema: Warum ist die Neurologie für Geschichtswissenschaften interessant? Ein Blick vor 1938.
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Neurologische Volkskrankheiten nehmen weiter zu

Presseinformation der ÖGN zur Jahrestagung der ÖGN, 20.-22.3.2019, Eisenstadt
  • Neue Entwicklungen bei Schlaganfall, Migräne und Epilepsien
  • Drohenden Neurologen-Mangel vermeiden, spezialisierte Strukturen schaffen
Wien/Salzburg/Eisenstadt/Oberwart – Montag, 18. März 2019 – Rund 30 Prozent der Menschheit leiden an einer Krankheit des Gehirns. Kopfschmerzen führen mit 152,8 Millionen Betroffenen die Liste an, gefolgt von Schlafstörungen und -erkrankungen mit 44,9 Mio., Schlaganfall mit 8,2 Millionen und Demenzerkrankungen mit 6,3 Mio. „Neurologische Erkrankungen wie Migräne oder Schlaganfall werden zu Recht als Volkskrankheiten bezeichnet – dieses Thema bildet auch einen Schwerpunkt der 16. Jahrestagung der ÖGN. Sie kosten auch immer mehr gesund verbrachte Jahre und stehen auf Platz 1 der belastenden Beschwerden“, so ÖGN-Präsident Prim. Univ.-Prof. Mag. Dr. Eugen Trinka (Universitätsklinik für Neurologie am Uniklinikum Salzburg). „In unserer älter werdenden Gesellschaft werden Gehirnerkrankungen wie Schlaganfall, Depressionen, Demenzen, Angsterkrankungen, Hirntumore und Epilepsien in den nächsten Jahren dramatisch zunehmen und unser Gesundheitssystem vor enorme Herausforderungen stellen.“

Österreich braucht mehr Neurologen: 47 Prozent gehen in den nächsten 10 Jahren in Pension

Österreich wird in Zukunft mehr Neurologinnen und Neurologen brauchen als heute, und deutlich mehr neurologischen Nachwuchs als derzeit in Ausbildung ist. Heute gibt es1.397 aktive Fachärztinnen und Fachärzte für Neurologie, von denen 656 älter sind als 55. „47 Prozent erreichen in den nächsten zehn Jahren das gesetzliche Pensionsalter“, so Prof. Trinka. „Ein starkes Engagement für die Ausbildung von jungen Neurologinnen und Neurologen ist also vordringlich. Wir müssen den drohenden Neurologen-Mangel verhindern und ausreichende und flächendeckende Strukturen schaffen. Fakt ist, dass schwerstkranke Neurologie-Patienten an neurologischen Intensivstationen deutlich bessere Überlebenschancen und funktionelle Behandlungsergebnisse haben als in nicht-neurologischen Intensivstationen. Hier herrscht sicherlich Handlungsbedarf.“

Prim. Staykov: Zeitfenster für Thrombektomie bei akutem schwerem Schlaganfall wurde größer

Rund zehn Prozent der jährlich 24.000 Menschen, die in Österreich von einem ischämischen, also durch Minderdurchblutung des Gehirns bedingten Schlaganfall betroffen sind, weisen einen Gefäßverschluss einer großen hirnversorgenden Arterie auf und können seit einiger Zeit mit der Thrombektomie – der Thrombus wird per Katheter mechanisch entfernt – behandelt werden. Thromben, die länger als acht Millimeter sind, lassen sich nicht mehr medikamentös mittels Thrombolyse ausreichend auflösen.

„Vor Kurzem brachten die DEFUSE III-Studie und die DAWN-Studie neue Erkenntnisse zur Thrombektomie, die bereits Eingang in die Leitlinien zur Schlaganfallbehandlung fanden“, berichtet Prim. Priv.-Doz. Dr. Dimitre Staykov (Barmherzige Brüder Krankenhaus Eisenstadt), Mitglied des Tagungspräsidiums der ÖGN-Jahrestagung. Die DEFUSE III-Studie untersuchte die Wirksamkeit der Thrombektomie an Patienten, bei denen der Schlaganfall vor 6 bis 16 Stunden stattgefunden hatte, bei den Patienten der DAWN-Studie lag er bis zu 24 Stunden zurück. „Beide Studien kamen zu dem Ergebnis, dass bestimmte Patienten mit schweren Schlaganfällen auch nach relativ langer Zeit von der Thrombektomie profitieren“, so Prim. Staykov. „Entscheidend ist dabei die Gefäßanatomie der Patienten und das Vorliegen von Umgehungskreisläufen. Bei manchen Patienten, die schwere Schlaganfallsymptome zeigen, liegt zwar nur ein kleiner Infarkt vor, dieser ist aber mit einem großen, minder durchbluteten Hirnareal verbunden. Für dieses bedrohte Gewebe besteht die Gefahr, dass es abstirbt und zum Infarkt wird, aber es ist noch zu retten.“

MRT oder spezielles CT zeigen, bei welchen Patienten Thrombektomie infrage kommt

Das Vorliegen eines von der Ischämie gefährdeten, aber noch potentiell zu rettenden Hirngewebeareals lässt sich durch bildgebende Verfahren wie MRT oder ein spezielles CT darstellen. „Neu ist, dass wir so Patienten erkennen können, die innerhalb eines größeren Zeitfensters noch wirksam mit der Thrombektomie behandelt werden können“, so Prim. Staykov. „Daten aus den Subanalysen dieser Studien legen sogar nahe, dass bei Patienten mit günstigen Behandlungsprofilen noch über die 24 Stunden hinaus eine Thrombektomie möglich und sinnvoll ist.“

Damit Patienten möglichst rasch zur Thrombektomie kommen, ist ein engmaschiges Netz von Schlaganfalls-Versorgungseinrichtungen erforderlich. Bei der Qualität der Schlaganfallversorgung zählt Österreich zu den fünf besten Ländern in Europa, zeigt eine Studie (ESO ESMINT EAN SAFE Survey). Prim. Staykov: „Bei der Thrombolyse und bei den Thrombektomien liegen wir im Spitzenfeld.“

Prim. Rus: Immer bessere Migräne-Medikamente – Betroffenen nur unzureichend versorgt

12 Prozent der österreichischen Bevölkerung – 17 Prozent der Frauen und 6 Prozent der Männer – leiden an Migräne unterschiedlicher Ausprägung und Häufigkeit. „Trotz der großen Verbreitung und wesentlichen Auswirkungen dieser Volkskrankheit ist die Versorgung mit migränespezifischen Medikamenten in Österreich nicht optimal“, sagt Prim. Dr. Marc Rus (Öffentliches Krankenhaus Oberwart), Mitglied des Tagungspräsidiums der Jahrestagung.

Neue Prophylaxe-Medikamente gegen chronische Migräne

Mit den Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) Antikörpern stehen erstmals Substanzen zur Verfügung, die spezifisch zur Migränevorbeugung entwickelt wurden. Seit Juli letzten Jahres ist Erenumab in der EU zur Behandlung chronischer Migräne zugelassen. Dieser monoklonale Antikörper wird einmal im Monat unter die Haut injiziert. Er blockiert die Rezeptoren für den CGRP-Botenstoff, der an der Schmerzweiterleitung beteiligt ist und eine große Rolle bei der Entstehung einer Migräneattacke spielt. Erenumab ist auch in Österreich als Therapie zur Migräneprophylaxe im Einsatz. „Eine große Hürde für die Anwendung ist, dass das neue Medikament nur in seltenen Fällen von der Krankenkasse erstattet wird. Aufgrund des hohen Preises von rund 500 Euro pro Monat werden in Zukunft weit weniger Migräne-Patienten von dieser neuen Entwicklung profitieren können, als notwendig“, so Prim. Rus. „Dass Patienten eine Therapie entweder nicht bekommen oder die hohen Medikamentenkosten selbst tragen müssen, ist äußerst unbefriedigend.“

Die Forschung entwickelt weiterhin neue Therapieformen. Seit Anfang März steht in Österreich Galcanezumab zur Prophylaxe episodischer und chronischer Migräne zur Verfügung, weitere CGRP-Antikörper wie Femanzumab und Eptinezumab stehen vor der Zulassung oder befinden sich in der Endphase der Entwicklung. Auch die Gepants, orale CGRP-Antagonisten, sind in Entwicklung.

Medikamentöse Versorgung in Österreich bleibt hinter dem Notwendigen zurück

„Insgesamt ist die medikamentöse Versorgung von Migränepatienten in Österreich klar verbesserungswürdig“, sagt Prim. Rus. Die „Eurolight“-Studie zeigt z. B., dass nur 6 Prozent aller Betroffenen Triptane zur Akutbehandlung erhalten. Die beste Versorgung gibt es für jene Patienten, die den Weg zu einem Facharzt für Neurologie finden. In Österreich sind das aber nur 17,5 Prozent.

Für eine bessere Versorgung ist ein abgestuftes, koordiniertes Zusammenspiel zwischen Hausärzten, niedergelassenen Neurologen und spezialisierten Migräne-Zentren notwendig, so Prim. Rus: „Damit die Patienten von diesen neuen Medikamenten auch profitieren können, ist es wichtig, dass sie von einem Facharzt für Neurologie untersucht und beraten werden, welche Therapien für sie in Frage kommen.“

Prof. Trinka: Hilfe bei genetisch bedingter Epilepsie

Auch in der Therapie der Epilepsien – diese gehören in Summe weltweit zu den häufigsten schweren neurologischen Erkrankungen – ist viel in Bewegung, berichtet Prof. Trinka: „Neue medikamentöse Therapien wirken nun auf den jeweiligen Krankheitsmechanismus, was sie grundlegend von klassischen Anti-Epileptika unterschiedet.“ Ein Beispiel ist hier die Tuberöse Sklerose, eine Krankheit, die durch genetisch bedingte TSC-Gen-Mutationen zu schwerer, therapieresistenter Epilepsie, Tumoren in Organen und Entwicklungsstörungen führt. Hier konnte der Target-Wirkstoff Everolimus entwickelt werden, der den Konsequenzen der genetischen Störung entgegenwirkt und damit Anfälle sowie Tumorwachstum stoppen kann. Intensiv geforscht wird auch, wie man Gendefekte überbrücken oder ein fehlendes Genprodukt ersetzen kann – das ist beispielsweise bei der Neuronalen Ceroid-Lipofuszinose geglückt. Für Kinder mit dieser seltenen, bislang tödlich verlaufenden Stoffwechselerkrankung gibt es jetzt eine Behandlungsoption.

Internationale Netzwerke bündeln Wissen zu komplexen und seltenen Erkrankungen

Seltene oder sehr komplexe neurologische Erkrankungen erfordern in der Regel mehr als nur eine Expertenmeinung. Gesundheitsdienstleister in ganz Europa haben deshalb die Europäische Referenznetzwerke (ERN) gegründet mit dem Ziel, das Wissen über seltene Erkrankungen zu bündeln. Dazu berufen die ERN-Koordinatoren einen „virtuellen“ Beirat aus Fachärzten verschiedener Fachgebiete ein, der die Diagnose und Behandlung eines Patienten überprüfen kann. Das Referenznetzwerk EpiCare unterstützt bei der Einschätzung und Behandlung von seltenen und komplexen Epilepsien. Die Online-Plattform Muscle & Nerve bietet Expertinnen und Experten gesammelt Publikationen über die neuesten Erkenntnisse zu neuromuskuläre Erkrankungen und möglichen Behandlungsoptionen.

Pressekonferenz: Ein Drittel der Menschen leidet an Hirnerkrankungen: Ärztemangel ist die größte Herausforderung



Quellen:

  • Christopher J L Murray, Alan D Lopez; Measuring global health: motivation and evolution of the Global Burden of Disease Study; Lancet 2017; 390: 1460–64
  • GBD 2015 Neurological Disorders Collaborator Group: Global, regional, and national burden of neurological disorders during 1990–2015: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2015; Lancet Neurol 2017 published Online September 17
  • Albers G.W. et al: Thrombectomy for Stroke at 6 to 16 Hours with Selection by Perfusion Imaging. N Engl J Med 2018;378:708-18
  • Raul G. Nogueira, M.D et al: Thrombectomy 6 to 24 Hours after Stroke with a Mismatch between Deficit and Infarct N Engl J Med 2018; 378:11-21
  • Katsarava Z, Mania M, Lampl C, Herberhold J , Steiner TJ, Poor medical care for people with migraine in Europe – evidence from the Eurolight study. Headache Pain. 2018 Feb 1;19(1):10. doi: 10.1186/s10194-018-0839-1
  • Reuter U, Goadsby PJ, Lanteri-Minet M, et al. Efficacy and tolerability of erenumab in episodic migraine patients who previously failed 2-4 preventive treatments.Lancet. 2018 Oct
  • Goadsby, Peter J et al: A Controlled Trial of Erenumab for Episodic Migraine. STRIVE ClinicalTrials. N Engl J Med 2017; 377:2123-2132
  • Zebenholzer K, Gall W, Wöber C. Triptan use and overuse in Austria – a survey based on nationwide sickness healthcare claims data. 18th Congress of the International Headache Society, Vancouver 2017


  • Kontakt: B&K – Bettschart&Kofler Kommunikationsberatung, Mag. Roland Bettschart bettschart@bkkommunikation.com; +43-1-319 43 78; 06766356775; www.bkkommunikation.com
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Internationaler Tag der seltenen Erkrankungen

Presseinformation der ÖGN zum Internationalen Tag der Seltenen Erkrankungen (28. 2. 2019)

Seltene neurologische Erkrankungen: Internationale Vernetzung als Schlüssel für schnelleren Forschungsfortschritt und bessere Versorgung

3.700 der „seltenen Erkrankungen“ betreffen Gehirn oder Nervensystem. Der Ausbau der Europäischen Referenznetzwerke (ERN) ist ein wichtiger Schritt, um Diagnose und Behandlung zu verbessern und die Forschung voranzutreiben, betont Prof. Eugen Trinka, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, anlässlich des Internationalen Tags der seltenen Erkrankungen am 28. Februar.

Wien/Salzburg, Mittwoch 27. Februar 2019 – Die Österreichische Gesellschaft für Neurologie (ÖGN) rückt aus Anlass des „Internationalen Tags der seltenen Erkrankungen“ am 28. Februar die zahlreichen seltenen Erkrankungen aus dem Bereich der Neurologie in den Mittelpunkt: „Da es nur wenige Betroffene pro Krankheit gibt, ist das Forschungsinteresse oft gering und die Diagnosen sind echte Herausforderungen. Für Fortschritte in der Diagnostik und der Therapie ist daher der internationale Wissensaustausch im Rahmen der Europäischen Referenznetzwerke (ERN) sehr wichtig“, betont Univ.-Prof. Mag. Dr. Eugen Trinka, ÖGN-Präsident und Vorstand der Universitätsklinik für Neurologie in Salzburg.

In der EU leiden schätzungsweise 30 Millionen Menschen an „seltenen Erkrankungen“, die auch als „Orphan diseases“, also „Waisenkinder der Medizin“ bezeichnet werden. „Selten“ bedeutet, dass es unter 2.000 Menschen nur einen Betroffenen gibt. Viele dieser Krankheiten sind mit chronischen Schmerzen und Leiden verbunden und können lebensbedrohlich sein, die meisten haben genetische Ursachen, drei von vier Betroffenen sind Kinder.

3.700 seltene Erkrankungen betreffen Gehirn und Zentralnervensystem
Orphanet, eine von der Europäischen Kommission getragene Plattform für seltene Erkrankungen mit 40 teilnehmenden Ländern, listet über 3.700 Krankheiten auf, die das Gehirn oder das zentrale Nervensystem betreffen. „Das können eigenständige Krankheitsbilder sein, aber auch seltene Unterformen von als häufig angesehene Erkrankungen wie Schlaganfall und erworbene Epilepsien“, erklärt Prof. Trinka.

Einige dieser Erkrankungen erhielten durch aktive Aufklärungsarbeit in den letzten Jahren mehr Aufmerksamkeit, etwa die amyotrophe Lateralsklerose (ALS) mit einer Häufigkeit von 5,2 pro 100.000 Menschen oder die Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung, von der zwei Personen pro eine Million betroffen sind. Dass insgesamt Diagnose und Behandlung dieser Erkrankungen nach wie vor schwierig sind, liegt auch daran, dass der Forschung auf diesem Gebiet zu wenig Mittel zur Verfügung stehen und die Industrie aufgrund der geringen Fallzahlen an der Entwicklung neuer Medikamente wenig ökonomisches Interesse zeigt. „Dennoch gibt es medizinische Fortschritte und wir können einzelne seltene neurologische Erkrankungen heute zumindest teilweise behandeln“, sagt Prof. Trinka.

Gendiagnostik ermöglicht exakte Diagnostik und wirksame Therapien
Durch die verbesserten Möglichkeiten der Gendiagnostik können zum Beispiel einige seltene Formen der Epilepsien exakt diagnostiziert und in der Folge wirksam therapiert werden. Bei der spinalen Muskelatrophie, einer Erkrankung die durch Untergang von motorischen Nervenzellen zu fortschreitendem Muskelschwund führt, kann man heute durch eine neue Therapie den genetischen Defekt überbrücken und somit erstmals das Fortschreiten der Erkrankung deutlich verzögern und in vielen Fällen den frühzeitigen Tod verhindern.

Für das Erkennen der erblichen Gehirnerkrankung Chorea Huntington, die bisher weder geheilt noch dauerhaft aufgehalten werden kann, hat vor Kurzem ein französisch-schweizerisches Wissenschaftsteam einen Schnelltest präsentiert, mit dem die krankheitsrelevante Genveränderung binnen Minuten bestimmt werden kann. Für die Suche nach einer Behandlung wurde Anfang des Jahres in den USA eine Studie zugelassen, die versucht, das Fortschreiten der Erkrankung mit einer vielversprechenden, aber auch technisch herausfordernden Gentherapie in den Griff zu bekommen. „Dabei wird ein modifizierter, nicht krankheitserregender Virus in das Gehirn injiziert, dessen Inhalt die hirneigenen Zellen so umfunktionieren soll, dass sie weniger vom schädlichen mutierten Huntington-Protein herstellen“, erklärt Prof. Trinka.

Diagnose, Behandlung und Forschung brauchen internationale Vernetzung
Durch neue Technologien sind Neurologinnen und Neurologen inzwischen in der Lage, die molekularen Grundlagen seltener neurologischer Erkrankungen besser zu verstehen. „Somit können wir auch eine Vielzahl neuer genetisch und neuro-immunologisch definierter Erkrankungen erkennen“, sagt Prof. Trinka. Seltene neurologische Erkrankungen sind allerdings weiterhin schwer zu diagnostizieren, da die Symptome oft unspezifisch sind. Schätzungen zufolge kann bei der Hälfte der Betroffenen keine klare Diagnose gefunden werden – und eine falsche Diagnose verzögert den Therapiebeginn erheblich.

„Leider ist das entsprechende Fachwissen in dem Land oder der Region, wo die Patienten leben, oft nur spärlich oder gar nicht vorhanden“, bedauert Prof. Trinka. Viele neurologische Abteilungen in Österreich verfügen zwar über erhebliches Spezialwissen für einzelne Patientengruppen mit seltenen Erkrankungen. Ein einzelnes neurologisches Zentrum könne jedoch nicht das umfangreiche und sehr spezialisierte Wissen aufbringen, um den vielfältigen Formen seltener Erkrankungen gerecht zu werden. Prof. Trinka: „Internationale Vernetzung ist daher unerlässlich, um den Patienten eine dem neuesten Wissenstand entsprechende diagnostische und therapeutische Versorgung zu bieten und die Forschung zu seltenen Erkrankungen voranzutreiben.“

Europäisches Netzwerk bündelt Wissen
Gesundheitsdienstleister in ganz Europa haben deshalb die Europäische Referenznetzwerke (ERN) gegründet mit dem Ziel, das Wissen über seltene Erkrankungen zu bündeln. Dazu berufen die ERN-Koordinatoren einen „virtuellen“ Beirat aus Fachärzten verschiedener Fachgebiete ein, der die Diagnose und Behandlung eines Patienten überprüfen kann. „Betroffenen müssen keine mühsame Odyssee durch Europa unternehmen, um geeignete Ärzte und Therapien zu finden. Stattdessen vernetzen sich die behandelnden Ärztinnen und Ärzte digital zur Fallbesprechung mit internationalen Experten“, berichtet Prof. Trinka. Die Erkrankten haben zwar keinen direkten Zugang zu diesem Netzwerk, können jedoch von ihrem jeweiligen Gesundheitsdienstleister an die entsprechende ERN-Kontaktstelle verwiesen werden. Dadurch erhöhen sich die Chancen auf eine genaue Diagnose und eine kompetente Beratung zur bestmöglichen Behandlung.

Die Universitätsklinik für Neurologie in Salzburg ist im Rahmen der ERN an der Weiterentwicklung der europäischen Vernetzung im Bereich der Erkrankungen, die in Zusammenhang mit Epilepsie stehen, beteiligt. „Es gibt über 130 seltene und komplexe Formen der Epilepsie, eine Vernetzung des Fachwissens ist dringend notwendig“, so Prof. Trinka. Das ERN für seltene und komplexe Epilepsien wird auch eines der Themen beim „Colloquium – Update seltene neurologische Erkrankungen“ sein, zu dem sich am 23. und 24. Mai internationale Fachleute in Salzburg treffen.

EU-Protects: Wie die EU-Experten zur Behandlung von Epilepsie zusammenbrachte


Kontakt:
B&K – Bettschart&Kofler Kommunikationsberatung; Mag. Roland Bettschart; +43-1-319 437 80, 06766356775; bettschart@bkkommunikation.com; www.bkkommunikation.com
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Internationaler Tag der Epilepsie

Neue Optionen in der Diagnose und Behandlung.

Zum Internationalen Tag der Epilepsie am 11. Februar 2019 werben Neurologen für mehr Verständnis für die Erkrankung und eine optimale Betreuung der Betroffenen. Die Österreichische Gesellschaft für Neurologie (ÖGN) und die Österreichische Gesellschaft für Epileptologie (ÖGfE) informieren über Innovationen und neue Erkenntnisse: Die Magnetenzephalografie eröffnet bestimmten Epilepsie-Patienten bessere Behandlungschancen, die Laserablationstechnik kann Herde gezielt zerstören und in manchen Fällen offene Hirn-Operationen ersparen, und der Cannabis-Inhaltsstoff Cannabidiol kann die Anfallshäufigkeit reduzieren, berichten ÖGN-Präsident Univ.-Prof. Dr. Eugen Trinka und Prim. Priv.-Doz. DrEdda Haberlandt, 1. Vorsitzende der ÖGfE. 

Salzburg/Dornbirn/Wien, Samstag, 9. Februar 2019 – Die Epilepsie zählt weltweit zu den häufigsten schweren neurologischen Erkrankungen. Der Welttag der Epilepsie am zweiten Montg im Febraur – 2019 ist das der 11. Februar –  steht jedes Jahr im Zeichen der breiten Aufklärung und Information, der Richtigstellung häufiger Irrtümer und Vorurteile, der Anti-Stigmatisierung und der Forderung einer optimalen Versorgung von Epilepsie-Kranken. Die Österreichische Gesellschaft für Neurologie (ÖGN) und die Österreichische Gesellschaft für Epileptologie (ÖGfE) informieren aus diesem Anlass über Fortschritte in Diagnostik und Therapie.

Die Epilepsien treten in vielen, sich unterschiedlich manifestierenden Formen auf. „Bei rund ein Prozent der Menschen treten epileptische Anfälle wiederholt auf. „In Österreich gehen wir von bis zu 80.000 Betroffenen aus, zu denen jährlich etwa 3.000 Neuerkrankungen dazukommen“, berichtet ÖGN-Präsident Univ.-Prof. Mag. Dr. Eugen Trinka, Vorstand der Universitätsklinik für Neurologie in Salzburg. „Behandlung und Diagnostik werden beständig weiterentwickelt. Mit modernen Mitteln können wir bei bis zu zwei Drittel der Patientinnen und Patienten Anfallsfreiheit erreichen. Innovationen sind hier sicherlich die Magnetenzephalografie als neues Diagnose-Instrument, die Möglichkeit mittels Laser Epilepsie-Herde im Gehirn gezielt ausschalten, und die Erkenntnis, dass Cannabidiol (CBD) epileptische Anfälle reduzieren kann.“

Magnetenzephalografie als neues Diagnose-Instrument

Bestimmten Epilepsie-Patienten eröffnet die Magnetenzephalografie (MEG) bessere Behandlungschancen. MEG erfasst die magnetische Aktivität des Gehirns, wobei mit Hilfe von Sensoren auch schwache magnetische Felder in tieferen Hirnregionen erfasst werden können. Bei Epilepsie-Patienten weist der Verlauf von messbaren elektrischen und magnetischen Signalen im Gehirn charakteristische Formen auf. Mittels MRT lässt sich z. B. feststellen, welche Hirnstrukturen Anfälle erzeugen bzw. an Anfällen beteiligt sind. Diese Untersuchungsmethode ist ungefährlich und erspart Epilepsie-Patienten in bestimmten Fällen risikoreichere Untersuchungen, bei denen Elektroden unmittelbar auf das Gehirn aufgebracht werden.

„MEG wird gezielt für Patienten mit lokal entstehender Epilepsie eingesetzt, für die eine Gehirnoperation erwogen wird, weil ihnen eine medikamentöse Behandlung nicht die gewünschte Anfallsfreiheit bringt“, berichtet Prof. Trinka. Bisher sind allerdings weltweit nur wenige Kliniken mit einer MEG-Anlage ausgestattet. In Österreich gibt es zurzeit nur einen Magnetenzephalografen. Dieser wird im Rahmen eines gemeinsamen Projektes der Paris Lodron Universität Salzburg (PLUS), des Universitätsklinikums Salzburg – Christian-Doppler-Klinik (CDK) und der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) betrieben. Prof. Trinka: „MEG ist kein Routineverfahren, sondern eine innovative Technik mit Zukunft. Sie ist aufwändig und nur für bestimmte Patienten geeignet. Die Kosten werden derzeit noch nicht von den Kassen übernommen.“

Cannabidiol (CBD) kann Anfälle reduzieren

Inhaltsstoffe von Cannabis spielen eine zunehmend wichtigere Rolle in der Epilepsie-Therapie. Vor allem das nicht-psychotrope Cannabidiol (CBD) scheint Potenzial zu haben, zusammen mit anderen Antiepileptika Anfälle zu reduzieren. Unter dem Handelsnamen Epidiolex wurde CBD 2018 in den USA als Fertigarzneimittel zur Behandlung von zwei seltenen Epilepsieformen zugelassen. „In der für die Zulassung relevanten Studie konnte eine Behandlung mit Epidiolex zusätzlich zur Standardtherapie die Zahl der Anfälle bei 120 Kindern mit Dravet-Syndrom, einer schweren frühkindlichen Epilepsie-Form, insgesamt deutlich verringern. Die Häufigkeit der konvulsiven Anfälle ging um 39 Prozent zurück“, berichtet Prim. Priv.-Doz. Dr. Edda Haberlandt (Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde, Krankenhaus Dornbirn), 1. Vorsitzende der ÖGfE.

Bei 171 jungen Patienten mit dem Lennox-Gastaut-Syndrom, einer in der Regel in der Zeit zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr beginnenden Epilepsie-Form, reduzierte das CBD-Mittel als Add-on-Therapie die Häufigkeit der Anfälle und verbesserte den Gesamtzustand der Studienteilnehmer deutlich. Sturzanfälle konnten um 44 Prozent verringert werden.

„Epidiolex ist nicht für den breiten Einsatz bei allen Epilepsieformen gedacht, scheint aber bei diesen schweren Fällen bei Kindern und Jugendlichen eine interessante neue und sichere Therapieoption zu sein“, sagt Priv.-Doz. Haberlandt. Mit einer Zulassung des Medikamentes durch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA wird noch im Laufe des Jahres gerechnet.

Die Epilepsieforschung hofft, dass auch CBD-reiche Extrakte, gereinigtes CBD sowie Kombinationen von CBD und THC (dem psychoaktiven Wirkstoff von Cannabis) dann wirken, wenn andere Mittel versagen. Eine Meta-Studie brasilianischer Forscher analysierte die Daten von 670 Epilepsie-Patienten hinsichtlich der Sicherheit von CBD-Produkten. Eine weitere Fragestellung war, ob CBD-reiche Extrakte und gereinigte CBD-Produkte unterschiedlich wirken. Zwei Drittel der behandelten Epilepsie-Patienten berichteten, dass sie seltener Anfälle erlitten hatten. Darüber hinaus erwiesen sich CBD-reiche Extrakte als wirksamer und nebenwirkungsärmer als gereinigtes isoliertes CBD. Dies ist wahrscheinlich auf die synergistischen Effekte von CBD mit anderen Phytocannabinoiden zurückzuführen.

„Wir verstehen zwar zunehmend besser, welche Rolle Cannabis-Produkte bei der Behandlung von Epilepsie spielen können, weitere kontrollierte klinische Studien zu Wirksamkeit, Sicherheit sowie zu Neben- und Wechselwirkungen stehen jedoch noch aus“, so Prof. Trinka.

SLAH: Mit Laser Epilepsie-Herde im Gehirn ausschalten – Alternative zur OP

Zur Behandlung bestimmter Epilepsieformen sind neurorchirurgische Eingriffe unvermeidlich. Für Patienten mit einer bestimmten Form (mesialer Temporallappenepilepsie) kommt jedoch neuerdings auch eine Behandlung mit Laser in Frage. „Die gesteuerte stereotaktische Laser-Amygdalohippokampektomie (SLAH) ist eine technisch neuartige, sichere und wirksame Alternative zur Operation“, erklärt Prof. Trinka. Bei diesem Verfahren wird eine mit Kochsalzlösung gekühlte faseroptische Lasersonde exakt auf den Bereich des Gehirns gerichtet, von dem die Epilepsie ihren Ausgang nimmt. Mit Echtzeit-MRT-Führung kann der behandelnde Neurochirurg den betroffenen Gehirnbereich lokalisieren und mit computergesteuerter Laserenergie zerstören, ohne dass das benachbarte Hirngewebe geschädigt wird.

Eine amerikanische Studie untersuchte 58 Patienten, die mit dieser Methode behandelt wurden: Mehr als 50 Prozent der Studienteilnehmer waren ein Jahr nach der Behandlung anfallsfrei. Die Standardtherapie zur Behandlung von Patienten mit hartnäckiger Epilepsie im Schläfenlappen des Gehirns ist die offene Gehirnchirurgie. Diese hat zwar eine noch höhere Erfolgsquote als die Laserbehandlung, birgt aber auch ein erhebliches Patientenrisiko für Beeinträchtigungen infolge des Eingriffs. Die neue minimal-invasive Methode könnte dieses Risiko deutlich verringern. Führt die Laserbehandlung nicht zum gewünschten Erfolg, können Patienten immer noch operiert werden.

„Der Vorteil des neuen Verfahrens liegt auch darin, dass die Patienten im Durchschnitt nur einen Tag im Krankenhaus verbringen und nicht in die Intensivstation aufgenommen werden müssen“, sagt Prof. Trinka. Bei einer konventionellen Schläfenlappenoperation beträgt der Krankenhausaufenthalt zwischen zwei und fünf Tagen.

Quellen: Stefan H, Trinka E: Magnetoencephalography (MEG): Past, current and future perspectives for improved differentiation and treatment of epilepsies. Seizure 2017;44: 121-124

Gaston TESzaflarski JP: Cannabis for the Treatment of Epilepsy: an Update. Curr Neurol Neurosci Rep.2018;18(11):73.

McCoy B, et al: A prospective open-label trial of a CBD/THC cannabis oil in dravet syndrome. Ann Clin Transl Neurol.2018 1;5(9):1077-1088.

Pamplona FAda Silva LRCoan AC: Potential Clinical Benefits of CBD-Rich Cannabis Extracts Over Purified CBD in Treatment-Resistant Epilepsy: Observational Data Meta-analysis. Front Neurol. 2018; 12;9:759.

Gross RE et al: Stereotactic laser amygdalohippocampotomy for mesial temporal lobe epilepsy Ann Neurol 2018;83:575–587

Willie JT et al: Safety and effectiveness of stereotactic laser ablation for epileptogenic cerebral cavernous malformations. Epilepsia. 2019 Jan 17. doi: 10.1111/epi.14634. [Epub ahead of print]

Presseinformation der ÖGN und der ÖGfE zum Internationalen Tag der Epilepsie (11. Februar 2019)
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