ABGESAGT! Summerschool - Fit für die Akutneurologie! — 12.06. - 14.06.2020

COVID19 und Multiple Sklerose (MS)

Update 08.05.2020

Da sich die Situation kontinuierlich ändert, haben Herr Univ.-Prof. Dr Berger und Herr Assoz.Prof. Priv.-Doz. Dr. Enzinger ein Update verfasst, welches die Neuerungen seit der Veröffentlichung dieser Seite beinhaltet. Diese zusätzlichen Informationen finden Sie unter folgendem Link:

Info Schreiben MS 08.05.2020

Die MS-Koordinatoren der der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie (ÖGN) haben angesichts der derzeitigen SARS-COV2-Pandemie aktuelle Informationen und Empfehlungen zum MS-Management zusammengefasst.

Univ.-Prof. Dr.
Thomas Berger

Assoz.Prof. Priv.-Doz. Dr. Christian Enzinger

Die derzeit noch wenig evidenzbasierten Erkenntnisse zu allen Aspekten der COVID19-Erkrankung verursachen viele Fragen und Unklarheiten, die auch PatientInnen mit chronischen Erkrankungen betreffen, so auch MS-PatientInnen. In diesem

Zusammenhang stehen die MS-Koordinatoren der ÖGN auch laufend mit internationalen KollegInnen in Kontakt, um globale und regionale Erfahrungen auszutauschen. Die hier angeführten Informationen und Empfehlungen werden regelmäßig aktualisiert und sollen dazu beitragen, trotz der derzeitigen gesellschaftlichen Einschränkungen, die auch den persönlichen Kontakt zwischen PatientInnen und NeurologInnen betreffen, eine bestmögliche Betreuung der MS-PatientInnen zu ermöglichen.

Allgemeine Informationen und Empfehlungen:

  • Die Erkrankung MS ist grundsätzlich mit keinem erhöhten Infektionsrisiko verbunden.
  • Daher gelten für MS-PatientInnen ebenso wie für die Allgemeinbevölkerung die allgemein gültigen Schutz- und Vorsichtsnahmen (von Richtlinien zur Desinfektion, der sozialen Distanzierung bis zur Option des Tele Working/Home Office) zur Vermeidung einer COVID19-Erkrankung.
  • Der Großteil der PatientInnen sind jüngere Erwachsene, die nach derzeitigem Wissensstand von SARS-COV2 weniger (stark) betroffen zu sein scheinen.
  • MS-PatientInnen können aber zu Personengruppen mit erhöhtem Infektionsrisiko bzw. Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs gehören. Die betrifft vor allem:
    • ältere PatientInnen (> 60 Jahre)
    • PatientInnen mit bestimmten vorbestehenden Begleiterkrankungen (beispielsweise
      Lungenerkrankungen, Herz-/Kreislauferkrankungen, Tumorerkrankungen)
    • PatientInnen, deren Behinderungsgrad eine deutliche Immobilität oder Bettlägerigkeit bedingt
    • PatientInnen, die wegen einer MS-spezifischen Therapie immunsupprimiert sind oder ein Risiko hierfür haben (siehe „Empfehlungen zu krankheitsmodifizierenden Therapien“)

Allgemeine Informationen und Empfehlungen zum Management von MS-PatientInnen im Kontext der SARS-COV2-Pandemie:

  • Geplante Kontrollen in intra- und extramuralen MS-Zentren sollten aufgrund der im
    Zusammenhang mit der Pandemie erlassenen Verkehrsbeschränkungen zur Eindämmung der Ausbreitung der COVID19-Infektion vorerst unterbleiben.
  • Es wird empfohlen, geplante Kontrollen möglichst „remote“ durchzuführen: beispielsweise
    telefonisch oder virtuell.
  • Bei akuten Beschwerden (V.a. Krankheitsschub, o.ä.) ist eine telefonische Vorankündigung bei der/m behandelnden/m Neurologin/en empfohlen, um:
    • PatientInnen zu vergewissern, dass ihr/e Neurologin/e unverändert für akute Beschwerden da ist,
    • die Art und Dringlichkeit der Beschwerden/Symptome vorab zu klären, und
    • die lokalen Vorgehensweisen zur akuten Untersuchung und Therapie zu berücksichtigen.

Empfehlungen zu krankheitsmodifizierenden Therapien (DMT) im Kontext der SARS-COV2-Pandemie (siehe auch Tabelle):

  • PatientInnen, die unter aktueller DMT einen stabilen Krankheitsverlauf haben, sollen grundsätzlich bei ihrer aktuellen DMT in unveränderter Dosis, Frequenz und (nach Möglichkeit) üblichem Monitoring verbleiben. Ein Therapiewechsel bei PatientInnen mit stabilem Krankheitsverlauf stellt zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein Risiko für die Patientin/den Patienten dar (hinsichtlich Krankheitsaktivität und/oder Risiken/Nebenwirkungen von Kortikosteroiden/der neuen Therapie).
  • Therapieeskalation: Bei PatientInnen, die aufgrund weiterer Krankheitsaktivität trotz bestehender DMT eine „Eskalationstherapie“ benötigen, ist unter den Therapieoptionen jene zu wählen, die nach derzeitigem Wissenstand das geringste/kein Potenzial einer therapieassoziierten Immunsuppression aufweist (siehe auch die ExpertInnen-Statements von neurologisch aus den letzten Jahren – www.medmedia.at/medien/neurologisch/papiere-und-statements/ – bzw. auf der Website des MS-Therapie-Registers der ÖGN im passwortgeschützten Bereich).
  • PatientInnen, die aufgrund von Nebenwirkungen der bestehenden DMT dringlich einen Therapiewechsel benötigen: hier ist unter den möglichen „Basistherapien“ bzw. „Eskalationstherapien“ jene zu wählen, die nach derzeitigem Wissenstand das geringste/kein Potenzial einer therapieassoziierten Immunsuppression aufweist (siehe auch die ExpertInnen-Statements von neurologisch aus den letzten Jahren – www.medmedia.at/medien/neurologisch/papiere-und-statements/ – bzw. auf der Website des MS-Therapie-Registers der ÖGN im passwortgeschützten Bereich).
  • Bei Neubeginn einer DMT wird gegenwärtig eine Therapie mit immunmodulierender anstelle immunsuppressiver Wirkweise empfohlen.
  • Bei Anzeichen einer akuten Infektion sollte DMT zunächst nicht begonnen oder erneut durchgeführt werden und bis zum vollständigen Abklingen der Symptome verschoben werden.
  • Jede Entscheidung hinsichtlich Beginn/Weiterführen einer MS spezifischen Therapie unterliegt einer individuellen Nutzen-Risiko Abwägung, anlässlich der gegenwärtigen Pandemie, aber speziell unter Einbeziehung des Alters der Patientin/der Patienten und bestehender Begleiterkrankungen.

Weiterführende Informationen:
https://www.msges.at/2020/03/informationen-zu-coronavirus-und-multiple-sklerose/