Schmerzakademie der ÖGN und ÖGPP - Modul 2 — 02.02. - 04.02.2018

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ÖGN2018

ÖGN in Linz

Die Vorbereitungen in Linz laufen auf Hochtouren: noch 97 Tage bis zur Jahrestagung der ÖGN! Ein topaktuelles wissenschaftliches Programm, praxisnahe Fortbildungsakademien und die perfekte Location sorgen dafür, dass diese auch 2018 wieder ein Highlight im Neurologen-Kalender darstellen wird. Prim. Priv. Doz. Dr. Tim J. v. Oertzen als Tagungspräsident und Dr. Judith Wagner als Tagungssekretärin freuen sich schon sehr darauf, Sie dort begrüßen zu dürfen!

Walter Struhal
Walter Struhal, website editor der ÖGN
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Welt-Schlaganfall-Tag: Aktiv gegen den Hirninfarkt – Wirksame Maßnahmen der Prävention

Einer aktuellen Studie zufolge sind Schlaganfälle weltweit für jährlich 6,3 Millionen Todesfälle verantwortlich, und sind somit in 11 Prozent aller Sterbefälle die Todesursache. In Österreich liegt dieser Wert bei 5,8 Prozent. Zudem stellt der „Hirninfarkt“ global gesehen die häufigste Ursache für dauerhafte und in vielen Fällen schwere Behinderungen dar. Weil die meisten Risikofaktoren von Schlaganfällen vermeidbar sind, steht der diesjährige Welt-Schlaganfall-Tag unter dem Motto der Schlaganfall-Prävention.


Wien, 27. Oktober 2017
– Bluthochdruck, Bewegungsmangel, ungünstige Blutfettwerte, Ernährung, das Verhältnis von Taillen- und Hüftumfang, Rauchen, psychosoziale Faktoren, Alkohol, kardiale Erkrankungen und Diabetes mellitus – diese zehn Risikofaktoren sind zusammen für 90 Prozent aller Schlaganfälle verantwortlich. „Die meisten davon sind vermeidbar und mit verstärkten Bemühungen in der Prävention könnten zahlreiche Menschenleben gerettet werden“, betont OA Dr. Peter Sommer (Krankenanstalt Rudolfstiftung, Neurologische Abteilung, Neurologische Akutnachbehandlung). Mit dieser zentralen Botschaft wollen die Österreichische Gesellschaft für Neurologie (ÖGN) und die Österreichische Schlaganfall-Gesellschaft anlässlich des am 29. Oktober begangenen Welt-Schlaganfall-Tages, der diesmal unter dem Motto der Schlaganfall-Prävention steht, das Bewusstsein für diese gefährliche Erkrankung erhöhen. „Die Zahl der Betroffenen steigt weltweit weiter an“, so Dr. Sommer. „Es ist höchste Zeit, die Bemühungen zur Vorbeugung deutlich zu erhöhen.“

Typische Risikofaktoren für Schlaganfälle

In Österreich erleiden jedes Jahr etwa 24.000 Menschen einen Schlaganfall. Ein Fünftel der Frauen und ein Sechstel der Männer sind im Lauf ihres Lebens davon betroffen. In beinahe allen Fällen lassen sich die Risikofaktoren bereits lange davor identifizieren:
•    Fast jeder zweite Betroffene hat Bluthochdruck.
•    Mehr als ein Drittel haben einen bewegungsarmen Lebensstil.
•    Rund ein Viertel ernähren sich schlecht und essen nicht genügend Obst und Gemüse.
•    Rund ein Viertel haben erhöhte LDL-Cholesterin-Werte.
•    Einer von fünf hat Übergewicht.
•    Jeder Zehnte ist Raucher.
•    9 Prozent leiden unter Vorhofflimmern, der häufigsten Herzrhythmus-Störungen, oder einer anderen Herzkrankheit.

Lebensstil-Änderungen dringend erforderlich

Auch wenn diese Risikofaktoren schon längst bekannt sind, hat das bisher kaum zur Änderung des Lebensstils beigetragen. „Abgesehen vom Rauchen, wo die gesetzlichen Restriktionen langsam greifen, sind die bekannten Risikofaktoren in den letzten Jahren nicht oder nicht wesentlich zurückgegangen“, bedauert Dr. Sommer. „Da haben wir noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten.“

Wie eine 2015 in Salzburg durchgeführte Untersuchung zeigt, sind alarmierende Werte schon bei sehr jungen Menschen weit verbreitet. Obwohl die Studienteilnehmer im Schnitt erst 37 Jahre alt waren, wurden bei 46,9 Prozent erhöhter Blutdruck, bei 37,5 Prozent Übergewicht und bei 44 Prozent eine abdominelle Adipositas (Fett am Bauch) festgestellt. Bei 18,5 Prozent lagen drei oder mehr dieser Risikofaktoren vor.

„Wir müssen dieser Entwicklung entschlossen entgegentreten“, so Dr. Sommers Appell. „Es gibt ein Bündel von Maßnahmen, die nachweislich dafür sorgen können, dass die Zahl der Schlaganfälle reduziert werden kann.“ Allein die Bekämpfung von zu hohem Blutdruck kann, wie eine Metaanalyse zeigt, das Schlaganfall-Risiko um nahezu ein Drittel reduzieren.

„Trotz aller Fortschritte könnte auch eine noch entschlossenere Anti-Tabak-Politik die Zahl der Betroffenen noch weiter senken“, so Dr. Sommer. „Wie das Beispiel im US-Bundesstaat Arizona zeigt, gingen die Schlaganfall-Raten um 14 Prozent zurück, nachdem das Rauchen dort aus allen öffentlichen Gebäuden, Arbeitsplätzen und Restaurants verbannt wurde.“

Ein verstärkter Einsatz der neuen und hochwirksamen – leider noch teuren – PCSK9-Inhibitoren zur LDL-Cholesterin-Senkung sowie eine bessere Früherkennung und Behandlung des immer noch zu selten erkannten Vorhofflimmerns würde weitere Leben retten und Behinderungen ersparen.
„Ganz besonders müssen unsere Bemühungen zur Lebensstil-Umstellung natürlich jenen gelten, die bereits einen Schlaganfall hatten“, so Dr. Sommer. „Studien zeigen, dass strukturierte Nachbetreuungsprogramme immer dann besonders effizient sind, wenn es um die Umstellung des Lebensstils geht. Hier gilt es die Möglichkeiten des digitalen Zeitalters besser zu nutzen und solche Programme zu forcieren.“

Positive Bilanz in der Akutversorgung

Was die Akutversorgung betrifft, ziehen Österreichs Neurologen anlässlich des Welt-Schlaganfall-Tages jedoch eine sehr positive Bilanz. „Es gibt wenige andere Krankheiten, deren Behandlungsmöglichkeiten sich in jüngerer Vergangenheit derart revolutionär verbessert haben, und in wenigen anderen Ländern wurden diese Möglichkeiten so gut genutzt wie in Österreich“, bilanziert Dr. Sommer. Mit inzwischen 38 Stroke Units sorgt ein Netz hochspezialisierter Versorgungseinrichtungen für die flächendeckende Basisversorgung. Die Mehrheit aller Schlaganfall-Patienten wird in Österreich in einer Stroke Unit behandelt, bis zu 25 Prozent werden mittels intravenöser Thrombolyse versorgt.
 
Therapiefortschritt endovaskuläre Behandlung

Für besonders schwere Fälle, in denen die Gehirngefäße von massiven Verschlüssen blockiert werden, stehen heute elf Zentren bereit, in denen der neue Therapiestandard der endovaskulären Behandlung zur Anwendung kommt. „Wenn es nicht genügt, die Gefäßverschlüsse mit Medikamenten aufzulösen, wird ein schraubenförmiger Bohrer über einen Katheter bis zum Gerinnsel vorgeschoben und der Verschluss durch Herausziehen entfernt – ähnlich wie der Korken einer Flasche“, so Dr. Sommer. „Diese endovaskuläre Therapie ist ein Meilenstein und wir können stolz sein, dass wir sie in Österreich so rasch verfügbar machen konnten. Das ist in Zeiten, wo überall gespart werden muss, keineswegs selbstverständlich.“

Derzeit erhalten bis zu 10 Prozent der Schlaganfall-Patienten eine endovaskuläre Behandlung. Sie ist wegen Infrastruktur und Behandlungsqualität auf einige wenige spezialisierte Zentren konzentriert. Denn sie setzt nicht zuletzt auch ein gut funktionierendes Transportwesen voraus, wo Patienten rasch und ohne Verzögerung nötigenfalls auch mit dem Hubschrauber zur endovaskulären Intervention und danach wieder zurück an die erstversorgende Stroke Unit gebracht werden können.

Zeit ist Gehirn

Während vom Eintreffen der Patienten in den spezialisierten Units bis zum Beginn der Behandlung dank der Optimierung aller Abläufe oft nur mehr 30 Minuten vergehen, verlieren viele Betroffene davor zu viel kostbare Zeit. „Fast jeder Dritte zögert sogar dann, sofort ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn die Symptome deutlich erkennbar sind“, weiß Dr. Sommer. „Hier sind weitere Aufklärungsmaßnahmen nötig und die Mittel dafür sicher gut investiert. Im Erfolgsfall können damit viele Leben gerettet und den Betroffenen oft ein Leben mit schweren Behinderungen erspart werden.“

F – A – S – T:  Was medizinische Laien für den Akutfall wissen müssen

Was man für den Akutfall eines Schlaganfalls wissen sollte, lässt sich in vier Buchstaben zusammenfassen: mit dem englischen Wort für schnell, also F – A – S – T:
F wie Face (Gesicht): Bitten Sie die Person zu lachen. Hängt der Mundwinkel auf einer Seite herab?
A wie Arm: Bitten Sie die Person, beide Arme zu heben. Ist ein Arm gelähmt und sinkt nach unten?
S wie Speech (Sprache): Bitten Sie die Person, einen einfachen Satz zu wiederholen. Sind die Worte undeutlich? Kann sie den Satz korrekt wiederholen oder hat sie Schwierigkeiten ihn zu verstehen?
T wie Time (Zeit): Wenn eines der oben genannten Symptome auftritt, ist Zeit ein wichtiger Faktor. Rufen Sie sofort die Rettung (144) und fahren Sie ins Krankenhaus.

Quelle: Global, regional, and national burden of neurological disorders during 1990–2015: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2015; GBD 2015 Neurological Disorders Collaborator Group. Lancet Neurol 2017, Published Online, September 17, 2017, dx.doi.org/10.1016/S1474-4422(17)30299-5

Medienkontakt:
B&K – Bettschart&Kofler Kommunikationsberatung
Dr. Birgit Kofler
kofler@bkkommunikation.com
T:  01 319 43 78
M: +0676 636 89 30

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Laufen Sie für den Schlaganfall!

Die ÖGN möchte auf den

FIT FOR BRAIN RUN

So., 29. Oktober, um 14 Uhr im Wiener Prater

hinweisen.

Der lauf findet anlässlich des Weltschlaganfalltages am 29. Oktober erstmals statt. Die Einnahmen kommen der Schlaganfallhilfe Österreich zugute.

Fit for Brain Run

Laufstrecke
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21. September: Welt-Alzheimer-Tag

Mehr Aufmerksamkeit für die „stumme“ Krankheitsphase – Alzheimer-Patienten oft zu niedrige Pflegestufe zuerkannt Die Fortschritte bei der Entschlüsselung des Entstehens der Alzheimer-Erkrankung tragen zu einem neuen Verständnis bei: Nachdem sich die Krankheit lange vor dem Auftreten klinischer Symptome entwickelt, müsse dieser „stummen“ Phase besondere Aufmerksamkeit gelten, betonen Experten aus Anlass des Welt-Alzheimer-Tages. Das auch, weil bis 2025 mit der Verfügbarkeit von Therapien gerechnet wird, die in das Krankheitsgeschehen eingreifen und das Auftreten klinischer Symptome verhindern oder zumindest verzögern sollen. Erheblichen Nachholbedarf sehen Experten in Österreich bei der Unterstützung betreuender Angehöriger und bei einer angemessenen Einstufung für den Pflegegeld-Bezug. Wien, 20. September 2017 – Der oft viele Jahre andauernden „stummen“ Phase der Alzheimer-Erkrankung, in der pathologische Veränderungen nachweisbar sind, aber noch keine klinischen Symptome auftreten, muss besondere Aufmerksamkeit gelten. Denn sie ist der Schlüssel zu Früherkennung und effektiven Therapien. Für betreuende Angehörige ist angesichts der massiven Belastung mehr Unterstützung erforderlich, ebenso wie eine Sensibilisierung und Schulung von Pflegegeld-Gutachtern, damit angesichts Krankheits-spezifischer Besonderheiten die Einstufung auch dem tatsächlichen Betreuungsbedarf entspricht. Das sind einige der zentralen Botschaften von Univ.-Prof. Dr. Peter Dal-Bianco (Wien), Präsident der Österreichischen Alzheimergesellschaft (ÖAG), und Univ.-Prof. Dr. Reinhold Schmidt (Graz), Past Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie, zum Welt-Alzheimer-Tag am 21. September 2017. Wie zahlreiche Institutionen und Organisation weltweit informieren die beiden Fachgesellschaften aus diesem Anlass über aktuelle und künftige Entwicklungen in Diagnostik und Therapie der Alzheimer-Erkrankung, und machen auf die Situation von Alzheimer-Patienten und der sie Betreuenden aufmerksam. Gemessen an DALYs, einer Messgröße für die durch Krankheit und vorzeitigen Tod verlorenen Lebensjahre, liegen Demenz-Erkrankungen mit insgesamt 28 Millionen DALYs 2016 in absoluten Zahlen bereits unter den Top 3 der neurologischen Erkrankungen, was die globale Krankheitslast betrifft – hinter Schlaganfall (116 Millionen) und Migräne (45 Millionen). Wobei Demenzen besonders steile Zuwachskurven aufweisen, mit einem Plus von 37,5 Prozent seit 2006 und von sogar 120,8 Prozent seit 1990. Das zeigen die vor wenigen Tagen veröffentlichten Daten der neuen „Global Burden of Disease“-Studie (www.thelanced.com/gbd). Alzheimer ist mit bis zu 70 Prozent der Fälle die häufigste Form dementieller Erkrankungen. In Österreich sind derzeit geschätzte 100.000 Menschen an Morbus Alzheimer erkrankt, bis 2050 ist ein Anstieg auf 230.000 Betroffene prognostiziert. Stumme Krankheitsphase: Hoffnung auf effektive Therapien Die Wissenschaft entschlüsselt immer besser das Entstehen der Alzheimer-Erkrankung, was auch zu einer Neuorientierung bei der Krankheitsdefinition führt. Erst kürzlich hat ein internationales Forscherkonsortium in einer Publikation dafür plädiert (www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5549378/), sich bei Morbus Alzheimer vom Konzept klar definierten Krankheitsstadien zu verabschieden. Vielmehr müsse die Erkrankung als ein vielfältiger und facettenreicher Prozess im Sinne eines biologischen und klinischen Kontinuums verstanden werden. Dieses Konzept des Kontinuums ist auch für die Entwicklung effektiver Krankheits-modifizierender Therapien entscheidend“, so Prof. Dal-Bianco. „Der Krankheits-Prozess kann über 20 Jahre oder mehr andauern und verläuft von einer symptomfreien Phase über eine lange präklinische Phase, in der die pathologischen Veränderungen über Biomarker nachweisbar sind, ohne dass es zu klinischen Symptomen kommt, bis hin zur klinischen Phase mit typischen Symptome von kognitiven und funktionellen Beeinträchtigungen.“ Aus gutem Grund lenkt die Alzheimer-Forschung ihr Interesse insbesondere auf die „stumme“ Phase des Krankheitsgeschehens und die Frage, wie in genau diese am besten eingegriffen werden kann, um eine weitere Entwicklung des Krankheitsgeschehens zu verhindern oder zumindest zu verzögern. Prof. Schmidt: „Von Interesse ist hier auch, warum es nicht bei allen Menschen, die für Alzheimer typische pathologische Veränderungen im Gehirn aufweisen, auch tatsächlich zu klinischen Symptomen kommt.“ Wichtige Beiträge liefern hier unter anderem Fortschritte bei den Biomarkern, betont Prof. Schmidt: „So werden etwa mit MRT oder PET-Untersuchungen Amyloid-Ablagerungen in Gehirn sichtbar gemacht, das Eiweiß ist ein typischer Biomarker für Alzheimer. Auch Untersuchungen der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit können Aufschluss über das Vorliegen pathologischer Veränderungen mit hohem Alzheimerrisiko geben.“ Führende Alzheimer-Spezialisten gehen davon aus, dass bis 2025 tatsächlich neue Therapien verfügbar sein werden, wobei österreichische Gruppen führend an der Erforschung von Immuntherapien zur Reduktion pathologischer Veränderungen des Tau-Proteins beteiligt sind. Fortschritte bei der Entschlüsselung relevanter Genmutationen Zunehmend werden auch Gen-Mutationen entschlüsselt, die das Risiko beeinflussen, eine Alzheimer-Erkrankung zu entwickeln. Erst kürzlich wurde eine groß angelegte internationale Studie mehrerer Forschungskonsortien unter Beteiligung der Universitätsklinik für Neurologie in Graz publiziert (www.nature.com/ng/journal/v49/n9/full/ng.3916.html), in der drei neue Genmutationen beschrieben werden konnten, die das Risiko für eine Alzheimer-Erkrankung beeinflussen. „Diese seltenen Varianten, die auf eine kausale Rolle von Mikrogliazellen und somit Immunzellen im Gehirn für die Alzheimer-Erkrankung hinweisen, könnten auch gute Ansatzpunkte für neue Therapien liefern“, so Prof. Schmidt. „Darüber hinaus konnten wir auch andere Gene und Proteine identifizieren, die als Netzwerk eine wichtige Rolle im Krankheitsgeschehen spielen dürften.“ Wichtige Impulse für die Erforschung genetischer Abweichungen, die für Alzheimer eine Rolle spielen und damit für mögliche Ziele für innovative Therapien, haben die Bewohner einiger abgeschiedener Andendörfer im Nordwesten Kolumbiens geliefert: Unter ihnen – rund 25 Großfamilien sind betroffen – ist eine Genmutation verbreitet, die dazu führt, dass zahlreiche Bewohner bereits ab Mitte 30 an einer besonders rasch fortschreitenden und dramatisch verlaufenden Form von Alzheimer erkranken. Die „Dissimulations“-Falle: Zu wenig Pflegegeld für viele Betroffene Ein wesentliches Problem gibt es für viele Alzheimer-Patienten bei der Pflegegeld-Einstufung. „Hier lauert die Dissimulations-Falle, also das Untertreiben und Herunterspielen der tatsächlichen Beeinträchtigung“, warnt Prof. Dal-Bianco: „Es ist ein typischer Teil der Erkrankung, dass es Betroffenen gut gelingt, die Fassade aufrecht zu erhalten und ihren Zustand zu verbergen.“ Das tun sie dann allerdings auch im Kontakt mit Pflegestufen-Gutachtern, die mangels Spezialisierung dieses Phänomen nicht immer richtig einschätzen. „Hier wären eine Sensibilisierung und entsprechende Schulungen erforderlich, damit die aktuell sehr restriktive Einstufungs-Praxis den tatsächlichen Betreuungs-Erfordernissen angepasst wird, die eine Alzheimer-Erkrankung mit sich bringt“, so Prof. Dal-Bianco. Gesundheitsrisiko für Betreuende unterschätzt Das niedrige Pfleggeld geht auch auf Kosten der betreuenden Angehörigen, die so weniger Spielraum haben, Hilfe und Entlastung zu organisieren. 80 Prozent der Alzheimer-Betroffenen werden in Österreich zu Hause betreut – schon angesichts der hohen Kosten institutioneller Pflege eine erhebliche Entlastung der öffentlichen Sozialbudgets. Was dabei oft übersehen wird: „Betreuende Angehörige haben eine höhere Morbidität und Mortalität als Menschen ohne Betreuungsaufgaben“, weiß Prof Dal-Bianco. „Daher ist ein deutlicher Ausbau von Betreuungs- und Beratungsangeboten dringend erforderlich, als materielles Zeichen einer höheren gesellschaftlichen Wertschätzung dieses unschätzbar wichtigen Beitrags.“ Nach dem Tod der kranken Angehörigen fallen Betreuende häufig in ein regelrechtes schwarzes Loch, so Prof. Dal-Bianco. „Wichtig wäre es, wenn sie gerade in dieser Phase ihr Wissen und ihre Erfahrungen in Selbsthilfegruppen weitergeben.“ Medienkontakt: Bettschart&Kofler Medien- und Kommunikationsberatung Dr. Birgit Kofler Tel.: 01 3194378 Mobil: 0676 6368930 kofler@bkkommunikation.com
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Informationen zu: Europäischer Kopfschmerz- und Migränetages am 12. September

Kopfschmerz und Migräne: Weit verbreitet, unterschätzt, fehlbehandelt – Neurologen plädieren für frühzeitige und kompetente Therapie Spannungskopfschmerz und Migräne sind inzwischen die weltweit zweit- und dritthäufigsten Erkrankungen. Bei der krankheitsbedingten Belastung liegt Migräne bei Unter-50-Jährigen bereits an 3. Stelle, berichtet die Österreichische Gesellschaft für Neurologie (ÖGN) anlässlich des „Europäischen Kopfschmerz- und Migränetages 2017“. Eine neue Studie zeigt, dass bereits 74 Prozent der Schülerinnen und Schüler im vergangenen Jahr unter Kopfschmerzen litten. Dieser weiten Verbreitung steht allerdings in sehr vielen Fällen eine mangelhafte Behandlung gegenüber, obwohl es geeignete Medikamente gibt. So wurden in Österreich nur 6 Prozent der Migräne-Patienten mit den dafür geeigneten Triptanen behandelt. 2018 wird voraussichtlich ein Migräneattacken vorbeugender Antikörper gegen den Botenstoff CGRP verfügbar sein, der einmal pro Monat injiziert wird. Nach den Angaben der WHO sind Spannungskopfschmerz und Migräne die weltweit zweit- und dritthäufigsten Erkrankungen, nur Zahnkaries ist noch häufiger. Was die krankheitsbedingte Belastung betrifft, liegt Migräne weltweit an sechster Stelle und bei Unter-50-Jährigen sogar an 3. Stelle. Kopfschmerzerkrankungen verursachen mehr krankheitsbedingt verlorene Lebensjahre als alle anderen neurologischen Erkrankungen inklusive Demenz gemeinsam. Das berichtet die Österreichische Gesellschaft für Neurologie (ÖGN) anlässlich des „Europäischen Kopfschmerz- und Migränetages“ am 12. September 2017.Trotz dieser Fakten bestehen gegenüber Kopfschmerzen erhebliche Vorurteile“, so Univ.-Prof. Dr. Christian Wöber (Univ.-Klinik für Neurologie, MedUni Wien) „Kopfschmerzen und Migräne werden häufig nicht als ernst zu nehmende chronisch wiederkehrende Erkrankung wahrgenommen und mit der Bemerkung ‚ein bissl Kopfweh habe ich auch hin und wieder‘ abgetan. Sie bedürfen jedoch einer fundierten und möglichst früh einsetzenden Behandlung.“ 74 Prozent der Schülerinnen und Schüler haben Kopfschmerzen Problematisch ist, dass zunehmend auch immer mehr Kinder und Jugendliche von den verschiedenen Kopfschmerz-Formen betroffen sind. Erste Daten einer von der Spezialistin für Kinder-Kopfschmerz Univ.-Prof. a.D. Dr. Çiçek Wöber-Bingöl initiierten internationalen Studie zeigen, dass von insgesamt mehr als 10.000 Schülerinnen und Schülern im Alter von 6 bis 17 Jahren im vergangenen Jahr 74 Prozent Kopfschmerz hatten. Bei 37 Prozent traten Sie mindestens einmal pro Woche auf und bei 9 Prozent waren die Kopfschmerzen stark. „Von den Kindern und Jugendlichen mit Kopfschmerzen nahmen 45 Prozent mindestens einmal pro Monat ein schmerzstillendes Medikament ein. Mehr als 80 Prozent gaben an, dass sie mit Ihren Kopfschmerzen nicht gut umgehen können und der Kopfschmerz ihre Konzentration beeinträchtigt“, berichtet Prof. Wöber-Bingöl. Hier gibt es einen großen Bedarf an Versorgungsstrukturen.“ Experten-Empfehlungen im Alltag viel zu selten befolgt Fachleute bemängeln in der Kopfschmerz-Behandlung das verbreitete Auseinanderklaffen zwischen den Experten-Empfehlungen und der täglichen Praxis. So hat eine Erhebung in acht österreichischen Kopfschmerzzentren gezeigt, dass unter Erwachsenen viele der schwer betroffenen Patienten vor der Überweisung in ein spezialisiertes Zentrum keine ausreichende Therapie erhalten haben. Die Verordnung von Triptanen, der spezifischen Mittel zur Akuttherapie der Migräne, wurde soeben an der MedUni Wien untersucht. Prof. Wöber: „Triptane wurden nicht mehr als 6 Prozent der Erwachsenen mit Migräne verordnet, obwohl diese Mittel gut bekannt sein sollten. Der geringe Prozentsatz lässt darauf schließen, dass viele Migränebetroffene keine ausreichend wirksame Therapie für akute Attacken zur Verfügung haben.“ Die Studie hat aber auch gezeigt, dass 6 Prozent der Patienten, die Triptane verwenden, diese zu häufig einsetzen und damit das Risiko eines zusätzlichen medikamentenbedingten Kopfschmerzes besteht. Dieser kann sich entwickeln, wenn Triptane oder jegliche schmerzstillende Mittel an 10 Tagen pro Monat oder öfter verwendet werden. Es gehe also darum, so Prof. Wöber, mit Aktionen wie dem „Europäischen Kopfschmerz- und Migränetag“ über den Stellenwert von Kopfschmerz und Migräne und die Notwendigkeit einer kompetenten Behandlung aufzuklären: „Immer dann, wenn wiederkehrende Kopfschmerzen mit eigenen Maßnahmen nicht ausreichend beherrschbar sind und die Kopfschmerzen Alltagsaktivitäten beeinträchtigen oder unmöglich machen, sollten Betroffene ärztliche Hilfe suchen. Spezialisten für die Behandlung von Kopfschmerzen sind die Fachärzte für Neurologie.“ Mit einem auf individuelle Bedürfnisse abgestimmten Behandlungskonzept lassen sich die Auswirkungen wiederkehrender Kopfschmerzen deutlich verringern und die Lebensqualität der Betroffenen merkbar verbessern, so Prof. Wöber. Voraussetzung sei eine Kooperation von Allgemeinmedizinern, Fachärzten für Neurologie und spezialisierten Kopfschmerzzentren. Neuartiger Antikörper zur medikamentösen Migränevorbeugung erforscht Derzeit steht auf dem Gebiet der medikamentösen Migränevorbeugung die Einführung völlig neuartiger Medikamente bevor. Erforscht werden speziell für Migräne entwickelte Wirkstoffe, die sich als Antikörper gegen den Botenstoff CGRP (calcitonin gene-related peptide) richten, der bei der Entstehung von Migräneattacken eine wichtige Rolle spielt. Die Verabreichung erfolgt einmal pro Monat als Injektion. Die ersten dieser Präparate werden voraussichtlich Ende 2018 verfügbar sein. Empfehlungen zur Migräne-Behandlung Im Falle einer akuten Migräneattacke reichen im Kindesalter oft ein paar Stunden Schlaf aus, um die Attacke zu beenden. Bei längeren Attacken und bei Erwachsenen ist aber meistens der gezielte Einsatz von Medikamenten erforderlich. Wobei eine ausreichend hohe Dosis und die Einnahme zu Beginn der Migräneattacke zu beachten sind. „Klingt eine Migräneattacke mit Schmerzmitteln wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Paracetamol nicht innerhalb von zwei Stunden ab, stehen bei Erwachsenen die Triptane zur Verfügung. Eines dieser Präparate ist auch für die Behandlung von Jugendlichen ab dem 12. Lebensjahr zugelassen“, so Prof. Wöber. In der vorbeugenden Migräne-Behandlung spannt sich der Bogen – je nach Häufigkeit und Schwere der Schmerzen – von einem Lebensstil mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr, regelmäßigen Mahlzeiten, genügend Schlaf und Ausdauersport, über die Beachtung von Auslösern, den Einsatz von Entspannungstechniken wie Biofeedback und progressiver Muskelrelaxation und der Akupunktur zur Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln (Riboflavin, Conezym Q10, Magnesium), pflanzlichen Arzneimitteln (Mutterkraut) und Medikamenten im engeren Sinn. Prof. Wöber: „Bei schwer Betroffenen ist es besonders wichtig, biopsychosoziale Aspekte umfassend zu beachten und Verhaltenstherapie einzubeziehen, um mit den Patienten geeignete Strategien im Umgang mit chronisch wiederkehrenden Kopfschmerzen zu erarbeiten.“ Quellen: Steiner TJ, Stovner LJ, Vos T. GBD 2015: migraine is the third cause of disability in under 50s. J Headache Pain. 2016 Dec;17(1):104. Wöber C, Wöber-Bingöl Ç, […], Steiner TJ. Immature headache: broadening the approach to headache in children and adolescents, with supporting evidence from a nationwide school-based cross-sectional survey in Turkey. (zur Publikation eingereicht) Zebenholzer K, Andree C, Lechner A, Broessner G, Lampl C, Luthringshausen G, Wuschitz A, Obmann SM, Berek K, Wöber C. Prevalence, management and burden of episodic and chronic headaches – a cross-sectional multicentre study in eight Austrian headache centres. J Headache Pain. 2015;16:531 Zebenholzer K, Gall W, Wöber C. Triptan use and overuse in Austria – a survey based on nationwide sickness healthcare claims data. 18th Congress of the International Headache Society, Vancouver, 7.-10. 9. 2017  
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World Brain Day 2017

„Schlaganfall wirksam vorbeugen, optimal behandeln“

Pressekonferenz zum Welttag des Gehirns, Wien, 18. Juli 2017

Prim.a Univ.-Doz.in Dr.in Elisabeth Fertl, Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Grisold, OÄ Doz.in Dr.in Julia Ferrari


Im Zeichen der Vorbeugung und Behandlung des Schlaganfalles steht heuer der Welttag des Gehirns der Weltföderation fürNeurologie am 22. Juli. 17 Millionen Menschen weltweit erleiden pro Jahr einen Schlaganfall, in Österreich sind es 24.000– bei steigender Tendenz. Was die Akutbehandlung betrifft, ist die Versorgungslage in Österreich im internationalen Vergleichhervorragend, berichten Expertinnen und Experten. Weil 90 Prozent aller Schlaganfälle auf zehn modifizierbare Risikofaktorenzurückzuführen sind, müsse das Präventionspotenzial noch besser ausgeschöpft werden. Von der WeltgesundheitsorganisationWHO wurde der Schlaganfall nach langer Diskussion jetzt als neurologische Erkrankung anerkannt. 

World Federation of Neurology – World Brain Day 2017 

Auf die beeindruckenden Fortschritte in der Therapie des Schlaganfalls, die in Österreich im Gegensatz zu anderen Ländernauch flächendeckend bei den Patienten ankommen, und auf das große Präventionspotenzial bei dieser Erkrankung weist dieÖsterreichische Gesellschaft für Neurologie anlässlich des Welttages des Gehirns hin. Jährlich am 22. Juli macht die Weltföderationfür Neurologie WFN auf ausgewählte neurologische Erkrankungen und die Bedeutung der Neurologie aufmerksam.


„Beim Thema Schlaganfall stehen wir vor einer paradoxen Situation. Auf der einen Seite gibt es kaum eine Krankheit, inder wir in den letzten eineinhalb Jahrzehnten so viele und wichtige Durchbrüche erreicht haben. Und dennoch gilt der Schlaganfallheute zu Recht als die Epidemie des 21. Jahrhunderts“, so Prim.a Univ.-Doz.in Dr.in Elisabeth Fertl, Präsidentin der ÖsterreichischenGesellschaft für Neurologie (ÖGN), Vorständin der Neurologischen Abteilung am Krankenhaus Rudolfstiftung und Gastprofessorinder Medizinischen Universität Wien. 24.000 der jährlich weltweit fast 17 Millionen Betroffenen leben in Österreich. DieTendenz ist schon aufgrund der demographischen Entwicklung steigend.


Der Welttag des Gehirns 2017 steht unter dem Motto „Schlaganfall – wirksam vorbeugen, optimal behandeln“. „Damit willdie Weltföderation für Neurologie (WFN), in diesem Jahr in Partnerschaft mit der Welt-Schlaganfall-Organisation (WSO),nicht nur ein besseres Verständnis für diese schwere Krankheit schaffen, sondern auf globaler Ebene zur Reduktion der Todesfälleund Behinderungen beitragen“, so Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Grisold, Generalsekretär der Weltföderation für Neurologie, Wien/London.


Schlaganfall von der WHO als neurologische Erkrankung anerkannt


Angesichts der wachsenden Bedeutung hat auch die Weltgesundheitsorganisation ihre Sicht auf die Krankheit neu definiert.In der aktuell gültigen Version der International Classification of Diseases (ICD-10) ist der Schlaganfall noch den kardiovaskulärenErkrankungen zugeordnet. „Das ist historisch gewachsen und beruht auf inzwischen überholten medizinischen Konzepten der1950er Jahre. So gab es bei der Festlegung 1955 so gut wie keine Therapieoptionen beim Schlaganfall. Dass selbst schwersteFälle heute behandelbar sind, ist vor allem den Errungenschaften der Neurologie zu verdanken. Alle Symptome zerebrovaskulärerErkrankungen stehen in einem Zusammenhang mit Funktionsstörungen des Gehirns“, betont Prof. Grisold. „Folgerichtig hatdie WHO nach langen Diskussionen, den Empfehlungen der Experten der ‚Neurology Topic Advisory Group’ folgend, den Schlaganfallim vermutlich 2018 in Kraft tretenden ICD-11 den neurologischen Erkrankungen zugeordnet. Dass wir uns darüber freuen, hatpraktische Gründe im Interesse unserer Patientinnen und Patienten. Diese Neuzuordnung beeinflusst die Ressourcenplanungund Finanzierung.“


Österreich mit vorbildlicher Versorgung


In Österreich kommen die Errungenschaften der modernen Schlaganfall-Behandlung bei der Mehrzahl der Patientinnen und Patientenan, sagt ÖGN-Präsidentin Fertl: „Wir können zu Recht auf unsere Versorgungsdaten stolz sein, die international empfohleneStandards erfüllen. Die Mehrheit aller Schlaganfall-Patienten wird in einer Stroke Unit behandelt, bis zu 25 Prozent werdenmittels iv. Thrombolyse versorgt. Bis zu zehn Prozent der Betroffenen erhalten eine endovaskuläre Behandlung.“


Mit den 38 Stroke Units und den flächendeckend vorhandenen Interventionszentren für eine endovaskuläre Schlaganfallbehandlungverfügt Österreich über ein dichtes Netz an hochspezialisierter Versorgung für alle Betroffenen. Prim.a Fertl: „Damit stehenwir auch im internationalen Vergleich hervorragend da. Ein gesamteuropäischer Survey, der demnächst publiziert wird, zeigt,dass noch lange nicht alle europäischen Länder diese Versorgungsstandards erreicht haben.“


Auch massive Gehirnverschlüsse heute behandelbar


In der Behandlung des akuten Schlaganfalls gab es zuletzt wichtige Fortschritte. Weil die Thrombolyse bei Verschluss vongroßen Gehirngefäßen – das betrifft etwa 10 Prozent der Fälle – nicht ausreichend effektiv ist und genau dies ganz schwereSchlaganfälle verursacht, wird in solchen Fällen eine mechanische Thrombektomie durchgeführt. „Die technische und infrastrukturelleEntwicklung macht die endovaskuläre Schlaganfallbehandlung über Katheter möglich“, betont Prim.a Fertl. „Das ist ein vergleichsweisekleiner Eingriff, aber einer mit großer Wirkung: Viele Patientinnen und Patienten, die mit ernsthaften neurologischen Defiziteneingeliefert werden, zeigen sofort nach der Behandlung Verbesserungen und nicht wenige davon können bereits nach wenigenTagen nach Hause gehen.“


Kombinationsbehandlung hilft auch noch Stunden nach dem Anfall

Eine umfangreiche Datenlage – mit sechs randomisierten Studien und einer Metaanalyse – belegt, dass die endovaskuläre Schlaganfallbehandlungein sicheres und effektives Verfahren ist. „Wie neue Daten zeigen, werden wir in Zukunft wahrscheinlich noch mehr Betroffeneretten und ihnen ein Leben mit schwerer Behinderung ersparen können“, so die ÖGN-Präsidentin. „Bisher gingen wir davonaus, dass eine endovaskuläre Schlaganfallbehandlung nur im Zeitfenster von weniger als sechs Stunden nach dem Ereigniserfolgversprechend ist. Nun hat aber die kürzlich präsentierte DAWN-Studie nachgewiesen, dass nahezu die Hälfte der Betroffeneneinen länger als sechs Stunden zurückliegenden Schlaganfall dank einer Thrombektomie ohne gravierende Behinderung überstanden.“


„F.A.S.T“ handeln rettet Leben


Der Faktor Zeit spielt in der Behandlung von Schlaganfällen eine ganz entscheidende Rolle. Prof. Grisold: „Die WFN weistanlässlich des Welttages des Gehirns nochmals auf einen einfachen und für jeden Laien verständlichen Leitfaden hin, mitdem sich der Verdacht auf einen Schlaganfall leicht abklären lässt. Alles was jemand im Akutfall wissen muss, lässt sichin dem Begriff FAST – also dem englischen Wort für schnell – zusammenfassen.“


  • F wie Face (Gesicht): Bitten Sie die Person zu lächeln! Hängt der Mundwinkel auf einer Seite herab?
  • A wie Arm: Bitten Sie die Person, beide Arme zu heben! Ist ein Arm gelähmt und sinkt nach unten?
  • S wie Sprache: Bitten Sie die Person, einen einfachen Satz zu wiederholen! Sind die Worte undeutlich? Kann sieden Satz korrekt wiederholen oder hat sie Schwierigkeiten ihn zu verstehen?
  • T wie Time (Zeit): Wenn eines der oben genannten Symptome auftritt, ist Zeit ein wichtiger Faktor. Rufen Sie sofortdie Rettung und fahren Sie ins Krankenhaus.
Schlaganfällen wirksam vorbeugen, erfolgreiche Risikokontrolle in der Nachbetreuung


„Auch wenn wir in der Akuttherapie von Schlaganfällen heute schon sehr erfolgreich sind, ist das kein ungetrübter Grundzur Freude. Denn ein erheblicher Anteil von Schlaganfällen wäre vermeidbar“, sagt OÄ Doz.in Dr.in Julia Ferrari, Abteilungfür Neurologie, Neurologische Rehabilitation und Akutgeriatrie, Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, Wien. Zehn Risikofaktoren,so hat die INTERSTROKE-Studie gezeigt, sind für 90 Prozent aller Schlaganfälle weltweit verantwortlich – nämlich Bluthochdruck,Bewegungsmangel, ungünstige Blutfettwerte, Ernährung, das Verhältnis von Taillen- und Hüftumfang, Rauchen, psychosozialeFaktoren, Alkohol, kardiale Erkrankungen und Diabetes.

Kein Rückgang bei zentralen Risikofaktoren feststellbar



Das österreichische „Stroke Unit Register“ ergibt bei den Risikofaktoren, die bei Schlaganfall-Patienten festgestelltwurden, folgendes Bild: 79 Prozent von ihnen hatten einen zu hohen Blutdruck. 54 Prozent wiesen ungünstige Blutfettwerteauf. Vorhofflimmern lag bei 26 Prozent vor, 18 Prozent waren Raucher.



Doz.in Ferrari: „Mit Ausnahme des Rauchens sind die genannten Risikofaktoren in den letzten Jahren nicht oder nichtwesentlich zurückgegangen. Auch wenn es zumindest teilweise plausible Erklärungen gibt – so wird Vorhofflimmern heutehäufiger entdeckt und unsere Patienten werden zudem immer älter und multimorbider – muss man angesichts dieser Datendoch feststellen, dass wir die Aufklärungsarbeit sicher noch intensivieren müssen.“

Es gibt ein Bündel von Maßnahmen, die nachweislich dafür sorgen können, dass die Zahl der Schlaganfälle abnehmen kann. Dazugehört eine bessere Früherkennung und Kontrolle von Bluthochdruck: Wie eine Metaanalyse zeigt, lässt sich das Schlaganfall-Risikoallein damit um 32 Prozent reduzieren. Wer Übergewicht abbaut, senkt auch den Blutdruck und damit auch das Schlaganfall-Risiko.Doz.in Ferrari: „Bessere Früherkennung und damit frühzeitige Behandlung beim immer noch zu selten erkannten Vorhofflimmernwürde Menschenleben retten und Behinderungen ersparen. Ebenfalls sinnvoll wären ein umfassender Rauchstopp oder einewirksame LDL-Kontrolle.“



Strukturierte Nachsorge hilft bei Lebensstilumstellung


Bemühungen zur Lebensstil-Umstellung würden auch für jene Personen gelten, die bereits einen Schlaganfall erlitten haben,so die Expertin. „Wie Studien zeigen, bringen strukturierte Betreuungsprogramme bei allen Krankheiten mit Lebensstilkomponentendeutliche Vorteile gegenüber der herkömmlichen Nachsorge. Im digitalen Zeitalter lassen sich solche Disease ManagementProgramme besonders gut umsetzen.“ Das zeigt etwa eine australische Studie, in der Herz-Patienten vier Textnachrichtenpro Woche über eine Handy-App erhielten, auf der sie auch ihre persönlichen Werte eintragen konnten. Nach sechs Monatenhatten diese Patienten nicht nur bessere Cholesterin- und Blutdruckwerte als die Vergleichsgruppe, sondern waren auchkörperlich aktiver, hatten mehr Körpergewicht verloren und deutlich öfter mit dem Rauchen aufgehört. In eine ähnlicheRichtung geht die aktuelle österreichische „Stroke Card“-Studie: Hier bekommen die Patienten des Nachsorgeprogramms einenlink für eine personalisierte Internetseite, auf der sie laufend Blutdruckwerte, Bewegung, Tabakkonsum und Körpergewicht eintragen. In diesem Projekt soll wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass durch eine strukturierte Nachsorge Rezidiv-Schlaganfälle und kardiovaskuläre Erkrankungen verhindert, sowie die Lebensqualität nach einem Schlaganfall verbessert werden kann.

Journalistenservice siehe B&K
Walter Struhal
Walter Struhal, website editor der ÖGN
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